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Der Raketenkrieg aus einer deutschen Sichtweise

Griechenland ist verrückt! In Griechenland ist alles möglich. Griechenland ist offen und freundlich, Griechenland ist ein Abenteuer. Griechenland brennt, ist voll von Energie! Und irgendwie kommen all diese Dinge in einem Event zum Vorschein, das mit Sicherheit einzigartig ist auf der Welt.

"Soetwas ist nur in Griechenland möglich", erzählt mir ein 63 jähriger Einheimischer, der nach England ausgewandert ist. Ich habe ihn im Garten eines Hauses in der Nähe von "Panagia Erithiani", das seinen Verwandten gehört, getroffen. Sie haben 250 Rampen gebaut, von denen aus sie in dieser Nacht 3000 Raketen auf "Agios Markos" feuern werden.

Und es ist wahr, zumindest für mein Heimatland. Wir haben Feuerwerke zu Neujahr und an Veranstaltungen der Städte und Dörfer, wir haben "Rhein in Flammen" in Köln oder das "Oktoberfest" in München, wo die Leute viele Raketen abfeuern. Aber die gehen alle geradewegs in den Himmel, alles andere wäre zu gefährlich.

Hier feuern die Leute die Raketen auf zwei Kirchen, fast horizontal anstatt vertikal. Sie schießen auf zwei wunderschöne Kirchen, von außen weiß mit wundervollen Gärten. Und als Krönung feiern Menschen im Anzug und Kleid zeitgleich die Ostermesse in den zwei Kirchen. Wie können sie nur zur Kirche gehen und beten mit diesem Lärm und der offensichtlichen Gefahr? Ich fragte einen Fotografen, den ich auf dem Dach eines Hauses getroffen habe. Er kommt aus Chios-Stadt und arbeitet für eine Agentur in Athen. Er macht Fotos mit seiner Canon für die Zeitungen und Zeitschriften des nächsten Jahres. "Die Raketen kümmern sie nicht," erklärt er und drückt den Auslöser seiner Kamera, die auf Langzeitbelichtung eingestellt ist - 30 Sekunden. "Es ist der heiligste Tag des Jahres, der Wichtigste für sie. Sie würden nie eine Feier verpassen wollen, egal was mit ihren Kirchen passiert."

25 Minuten vor Mitternacht sehe ich Leute aus der Agios Markos Kirche rauskommen. Sie haben eine Kerze in der Hand, bewegen sich in Reihen vorwärts und beten zu Gott und den wiederauferstandenen Jesus Christus. Zur gleichen Zeit fliegen die Raketen zu den Zäunen und Netzen, die dort zu ihrer Sicherheit augestellt wurden. Sie bleiben nicht stehen und beten weiter. Ein plasphemisches Ereignis, würden die gläubigen Menschen in meiner Heimatstadt sagen. Wo ist der Respekt für den Heiligen Vater? Aber es ist anders. Ich kann es nur verstehen, weil ich es gesehen habe. Ich war dabei.

Ein junger Mann aus Athen, hier um seine Verwandten an Ostern zu besuchen, erzählt mir etwas über die Ursprünge. "Keiner kann sich sicher sein", sagt er, "aber man sagt, dass der Raketenkrieg eine 250 jährige Tradition". Weniger professionell werden sie früher gewesen sein, ohne der chinesischen Technologie bei den handgemachten Raketen. Aber sie hätten Feuerwerke gehabt und wegen der türkischen Belagerungen angefangen. "Den Orthodoxen war es nicht gestattet ihre Osterfeier durchzuführen," erklärt er. Deshalb zündeten sie die Kirche einfach an, um reingehen zu können. Die Muslime blieben fern und die Chionen konnten beten.


Markos gehört zum Ertithiani-Team. Er hat einen kleinen Gasbrenner in seiner Hand aus dem eine blaue Flamme heraussticht. Er duckt sich, entzündet 300 Dochte und die Rakten fliegen. Nicht vertikal, sondern den ganzen Weg über den kleinen Wald zu dem Glockenturm der Agios Markos Kirche. Er ist Teil des Raketenkrieges 2005. Er ist ein Grieche, ein Einheimischer. Und er ist irgendwie ein wenig verrückt.

 

Tobias Weckenbrock